Drive a Formula 1. Mit diesen Worten wirst du auf der Homepage eines Veranstalters begrüßt ,der wohl den letzten Männertraumverwirktlicht.
Wer träumt nicht davon einmal einen Formel 1 zu pilotieren .Nein ,nicht
auf dem Computer oder der Playstation oder dem McLaren Zweisitzer
,sondern in einem richtigen Monoposto. www.formula-one.com erfüllt Dir diesen Traum. Dieses ultimative Vergnügen ist nicht ganz billig ,das günstigste Angebot liegt bei 8 Runden für lächerliche 1800,00 CHF was etwas über 2000,00 DM sind. Natürlich ist dieses Angebot ohne Hotel und Anreise.
Also brauchst Du etwa 2500,00 DM. Mein Apell an alle Ehefrauen,
verzeiht eurem Mann; Strahlender werdet Ihr ihn nicht mehr sehen. Seit nun mehr 20 Jahren verfolge ich die Formel 1-Weltmeisterschaft.
Ich sah unter anderem einen Gilles Villeneuve sterben (Vater von
Jaques) ,Ayrton Senna´s Formel 1 Debüt und eine unvergessliche
Regenschlacht mit Stefan Bellof in Monaco. Was Du kennst Bellof nicht
?Dann schau mal nach unter www.stefanbellof.de
. Er war der Schumi der 80-ger Jahre. Jedoch ließ er sein Leben in der
Mutter aller Kurven `Eau Rouge` in einem Gruppe C - Porsche Rennwagen. Nun, auch ich träumte von einer Formel 1 fahrt, aber hielt es immer für unrealistisch. Dann stieß ich auf dieses Angebot und gönnte mir dieses Vergnügen.
Das magische Datum war Dienstag 13.03.2001 Die Reise beginnt am Montag und du fährst quer durch Frankreich nach dem wohl bekannten Lurcy-Levis. (Für die, die im Erdkundeunterricht geschlafen haben es ist ein Vorort von Magny-Cours)
Hier triffst du die anderen Spinner wo sich auf dieses Abenteuer
einlassen. Beim gemeinsamen Abendessen lernt man sich kennen. Es sind
nicht nur Doktoren, Rechtanwälte ,Firmenchefs, nein auch
Otto-Normalverbraucher. Unter anderem auch ich. Das Gesprächsthema an
diesem Abend, beschränkt sich auf den Motorsport. Im speziellen Formel
1. Ja , das war jetzt schwer zu erraten.
Am Dienstagmorgen fahren wir zur Rennstrecke, wo wir erst mal eingekleidet werden. Danach beginnt der vielgeliebte Theorieuntericht im Fachjagon Briefing genannt.
Hier erfährst Du wie man Bremst ,Schält, Gas gibt usw. Ich weiß Du
kannst das alles, weil Dein Auto sich nicht wesentlich von einem
Monoposto unterscheidet. Überhaupt kannst Du ja rückwärts Einparken
,Schumi und Co.dagegen muss man ja in die Garage schieben. Du bist ein
Held.
So nun geht's endlich los. Da wir ja alle anständig
erzogen wurden, lassen wir den Damen den Vortritt. Ja Ihr „Frauen
können nicht Auto fahren"- Meiner. Es waren auch 2 Personen des
weiblichen Geschlechts vertreten. An dieser stelle fällt mir Michelle
Mouton ein. Du hast vergessen wer Sie ist? Dann Ruf mal schnell den
Röhrl Walter an. Richtig der im Audi. Er klärt dich auf.
Jolanda , eine der Damen ist schon einmal Formel 1 gefahren. Sie bewegt
das Fahrzeug ansehlich über den Kurs. Es beginnt zu regnen und Jolanda
fliegt ab, jedoch ohne Schaden. Dieser Abflug hat schwerwiegende
Folgen. Im Briefing wurde uns erklärt, wer abfliegt, wird von der
Veranstaltung ausgeschlossen und bekommt seine Restrunden nicht
zurückerstattet. Jolanda hat 16 gebucht und ist nur 7 gefahren. Ein
etwas teuerer Dreher. Bei mir klingeln alle Alarmsirenen. Ich
dachte nicht, das man so hart durchgreift. Jolanda kehrt zu uns zurück
und lachend sagt Sie. Originalton: Iccch hann mien Spahß ka, a suhper
fiehling. Das war schwitzerdütsch!
Bevor ich nun von mir schreibe, muss ich noch den älteren Herrn erwähnen.
Stell Dir einen hageren Senior vor, dessen rechtes Bein den teil eines
X-ses darstellt. Und einen dermasenen Husten an den Tag legt, das Du
denkst er erlebt die nächste Stunde nicht mehr.
Dieser Mann
nimmt im Monocoque platz und bittet im besten Englisch um ein Kissen.
Für mich ist der Herr auf einer falschen Veranstaltung. Heute ist nicht
der Ausflugstag der Arbeiterwohlfahrt. Was nun folgt ist eine
Lehrstunde in Sachen Formel 1 fahren. Er legt einen fantastischen Speed
hin, den auch später keiner erreicht. Er hat eine Carcontroll
(Fahrzeugbeherschung) die sich sehen lässt. In seinen letzten Runden
fährt er „ Slids" (quer) durch die engen Kurven. Hut ab vor diesem Mann. Später stellt sich heraus er macht das seit 30 Jahren.
Nun aber zu mir.
Bis ich dran komme ,muß ich irgendwie den ganzen Nachmittag totschlagen. Ich schütte an diesem Nachmittag bestimmt 4 Millionen Liter Kaffee in mich. Es bilden sich immer wieder kleine Gruppen wo man über das Erlebte berichtet. Irgendjemand bemerkt, das unsere Formel 1-Boliden mit kalten Reifen an den Start gehen. Das heißt im Klartext, die Heizdecken fehlen. Ich lache und sage : „ ja, mit warmen Reifen raus und bei unserer Pace mit kalten wieder rein."
Ich bin Drin.
Stephane, unser freundlicher Industriktor ruft mich herbei, und deutet mir an ich solle mich fertig machen. Ich eile, schnappe Handschuhe, Kopf-Feuerschutz und Helm. Und im nächsten Moment sitze ich drin. Es handelt sich um einen 94-er Larrousse von Eric Comas. Ich weiß, hast Du noch nie gehöhrt , weil Du nur Schumi und die anderen Bignames kennst. Aber es gibt noch mehr. Er wurde unter anderem 6-ter beim Pacific- Grand Prix und beim Großen Preis von Deutschland 1994.
Vorab ein paar technische Daten von dem Boliden. Motor: Ford Cosworth HB V8(Schumis 1-ter WM-Motor 94 bei Benetton) 3500 ccm/ 705 PS bei 13500 U/min. 0-200 km/h in ca. 4,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 330 km/h. Zeitwert 1,5 Millionen DM(spiel mal Lotto)
Nun werde ich angeschnallt und aufgefordert mich in die Gurte zu
werfen. Was bei den Videoaufnahmen aussieht als würde der Farsang Ja,
Ja sagen und mit dem Kopf nicken. Mein Oberkörper gibt nicht einen mm
nach (Probiere es in deinem Auto aus). Das Lenkrad wird aufgesteckt und
wir gehen den Startvorgang noch mal im besten Englisch durch. Er könnte
es auch auf Hebräisch, Lateinisch oder sonst wie erklären wie man einen
Formel 1 startet ist doch wohl klar. Ich fühle mich wie in
Abrahams Schoß.(Ach ja , in einem Formel 1 sitzt Du wie wenn Du in der
Badewanne die Füße auf den vorderen Beckenrand hebst. Probiere es mal
aus.). Der Bolide wird hinten aufgebockt ,ich drücke das Gaspedal
ca. 5mm nieder ,strecke den rechten Arm hoch und mache mit der Hand
eine Kreisbewegung (Zeichen zum Motor starten). In der Formel 1 heißt
das Zauberwort Zündschlüssel „Pressluft". WUUMMM!!!! Er läuft. Ich
bin im Himmel, doch Gottes Engel haben umgerüstet, sie spielen jetzt
Heavy Metal und ich sitze nun in meinem wahrscheinlich größten „
Hühnerkombi" den ich je an hatte. Stephane´s rechter Arm geht in
die Höhe und syncron mein Gasfuß nach unten. Er macht das Stopzeichen
,ich halte das Gas. Wir sind jetzt bei ca. 5000-6000 U/min.(Ja , wo
Dein Auto aufhört geht's hier erst los). Kuppeln, Gang rein,
Kupplung kommen lassen und los. Wahnsinn! 15-20 m ich könnte vor Freude
die Schumifaust in den Himmel recken, habe mich aber noch unter
Kontrolle. Ich krabble durch die Kurvenkombination und komme zum
erstenmal auf die lange Gerade,4,5,6 Gang , bremsen und im Krabbeltempo
durch die Kombination. Top- Speed ich schätze 200 km/h(lächerlich). Nächster Versuch mehr Gas . Oh Gott, der Bolide hüpft wie wenn Du einen Stein flach über das Wasser wirfst.
Ich sehe mich in den französischen Himmel steigen, wie Jaques
Villeneuve bei seinem Crash mit Kleinschumi in Melbourne. Top- Speed
geschätzt 250 km/h.(es fehlt noch was) Diese Prozedur setzt sich nun Runde für Runde fort , immer etwas mehr Mut(Gas).
Irgendwann schreie ich ;Nein nicht vor Angst vor Begeisterung. Ich habe
wohl zum ersten mal die 300 km/h erreicht. Beschreiben, unmöglich das
musst Du selbst erleben. Alles hat einmal ein Ende , so auch dieses Erlebnis.
Mein Fazit. Für ein Formel 1 Team habe ich mich nicht empfohlen.(zu langsam in den Kurven).
Doch was ich auf dieser langen Geraden irgendwo im französischen
Nirvana erlebt habe , war diese Schweinekohle wert . Bei dieser
Erinnerung bekomme ich feuchte Hände und Tränen in den Augen. Ich habe etwas erlebt, was für viele ein Traum bleiben wird. Ein kleiner Trost ist ,ich bin jetzt Mitglied in einem der exclusivsten Clubs der Welt; FODA (Formula One Drivers Association). Und ich bin jetzt Kollege von Michael, Heinz-Harald, Ralf ,Mika und Co.